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hailbringer | Systematische Annäherung an das Leid-Thema Politik(german)

Kunst als Schule der Wahrnehmung

Bei Kunstinterpretation geht es nicht darum die Botschaft des Künstlers zu dechiffrieren. Dass Kunst einfach ein Vehikel für Aussagen sei, ist ein Mythos der durch staatliche Schulbildung geschürt wird und vielen Menschen die Freude an der Kunst ausgetrieben hat. Ein Werk das weder einen Gebrauchswert aufweist noch irgendeinen Wahrheitsanspruch erhebt muss man stattdessen als psychologisches Phänomen und als Indiz der menschlichen Natur begreifen, gerade dann, wenn es nicht für intellektuelle Rezeption sondern für kommerzielle Verwertung bestimmt ist.

Ein eigentlich oberflächlicher aber kommerziell erfolgreicher Film verrät immer etwas über den Zeitgeist und das Unterbewußtsein des Publikums. Darüber hinaus hat das Unbewußte schon an der Entstehung eines Werkes großen Anteil. Selbst ein stumpf auf Profit getrimmter Kino-Hit ist keine reine Kopfgeburt, denn echte Begeisterung entfacht nicht im Kopf sondern aus dem Gefühl heraus. Um einen erfolgreichen Horrorfilm zu drehen, muss der Filmemacher dem Grauen in sich selbst nachspüren. Er muß loslassen, damit sein Unterbewußtsein wie im Traum die Regie übernimmt. Der unkalkulierte spontane Ausdruck seiner Ängste trifft die universell-menschlichen Ängste des Publikums präziser als Klischees und formelhafter Aufbau es könnten.

Kunst hat ihren Ursprung und ihre Wirkung maßgeblich im Unbewußten. Ihre Interpretation nimmt zwar das Werk zum Ausgangspunkt, zielt aber auf die mentale Lage seines Schöpfers, seiner Anhänger und Gegner. Diese Bewußtmachung unbewußter Mechanismen ist keine Voraussetzung für den reinen Kunstgenuss sondern eine elementare Kulturtechnik zur Erlangung von Selbst- und Menschenkenntis.

Wir deuten also die Kunst als Ausdruck und Kommunikationsmedium des kollektiven Unbewußten bzw. des Ur-Menschlichen. Im Grunde können wir die ganze Welt als Kunstwerk betrachten. Indem wir die Kraft aufbringen, jede Wahrnehmung aufmerksam und unvoreingenommen zu bestaunen, erheben wir die Welt zum Kunstwerk und erkennen uns in ihrer Wirkung.

Am Anfang war die Menschenkenntnis

Wir nähern uns damit einem Prinzip das von vielen Geistestraditionen geteilt- und besonders vom Buddhismus betont wird: Alle Erkenntnis wurzelt in direkter sinnlicher Wahrnehmung. Selbst logisch abgeleitetes Wissen geht auf Begriffe und Annahmen zurück die das Gehirn aus äußeren Reizen gebildet hat. Des Menschen eigene Sinnes- und Geistesimpulse sind der Anfang seines Denkens und die axiomatische Basis allen Wissens. Im Kontext buddhistischer Lehren spricht man daher von ultimativer Realität.

Profaner Logik und dem Prinzip der ultimativen Realität folgend ist der Mensch sich selbst das naheliegendste, das er am deutlichsten erfahren, erforschen und erkennen kann. Bewußtes Wahrnehmen offenbart ihm, vor allem anderen, sein eigenes Wesen. Zudem impliziert die Artverwandtschaft und Verbundenheit aller Menschen, aus der sich auch das kollektive Unbewußte ergibt, eine empathische – also erweiterte Selbsterkenntnis. In sich selbst erkennt der Mensch alle anderen Menschen und in ihnen erkennt er sich selbst. Selbst-Bewußtsein heißt Empathie. Mitfühlen heißt: von sich auf andere schließen. Diese Abstraktion ist, in der Kunst wie in der (Staats-)Philosophie, der Schlüssel zur Einsicht.

Wir müssen zwar bei der eigenen Wahrnehmung anfangen, können aber daran die Natur des Menschen mit gewisser Allgemeingültigkeit ablesen und erhalten somit mächtige Axiome für das Nachdenken über größere, zwischenmenschliche und gesellschaftliche Zusammenhänge. Andersherum gilt allerdings auch: Diskurse über Gesellschaft und Politik die nicht in einem expliziten Menschenbild geerdet sind müssen ins Leere laufen, das heißt: Für Gedankenexperimente mit dem Gesamtsystem braucht man eine Vorstellung von seinen Einzelteilen. Kommen wir also zu den Einzelteilen...

Licht Erzeugt Schatten

So wie in unserem Fiatgeld-System jede "Geldschöpfung" ebenso viele Schulden erzeugt, so heftet sich der Schatten unvermeidlichen Todes an alles Leben. Je fester man sich ans Leben klammert, je mehr man das menschliche Dasein überhöht, desto größer und unerträglicher wird sein Schatten.

Wenn man etwas mit Gewißheit über das menschliche Wesen sagen kann, dann dass es nach dem Leben drängt und sich vor dem Tod fürchtet. Aus der Funktion des Lebens und der Arterhaltung entspringt in erster Linie ein Bedürfnis nach Sicherheit. Das schlägt sich auf viele Weisen nieder. Unter anderem sehnen wir uns nach andauernder Stabilität von Körper, sozialen Bindungen, Ego und Handlungsfähigkeit. Ungewißheit über einen solchen Faktor erzeugt entsprechende Verlustangst.

Unsere bloße Existenz beweist, dass wir darauf programmiert sind zu existieren, also die Sicherheit unserer Existenz auszuweiten. Erst in Verbindung mit dem menschlichen Verstand schießt Sicherheitsstreben über das Ziel der Arterhaltung hinaus und akkumuliert überflüssige Macht. Geld- Ordnungs- und Kontroll-Sucht sind gewöhnliche Spielarten.

Das zweite das man mit Gewißheit sagen kann ist ebenso eine Binsenweisheit und wird vielleicht gerade deshalb ebenso selten einkalkuliert: Macht korrumpiert. Nicht weil sie zum Eigennutz verführt sondern ganz im Gegenteil: Überflüssige Macht definiert sich gerade dadurch, dass sie keinen weiteren persönlichen Nutzen bringt. Allerdings gebrauchen wir sie im allgemeinen nicht um Bedürftigen direkt zu helfen, sondern um unseren Daseins-, Verwirklichungs- und Sicherheitsdrang weiter auszuleben. Wir schwingen uns dazu auf, weit entfernt von unserem Einflußzentrum, jenseits von uns selbst, die äußere Realität anzupassen, indem wir versuchen die Welt zu verbessern, die Zukunft zu gestalten, den eigenen Nachkommen und der eigenen Art Existenzsicherheit zu hinterlassen. Dass wir uns dabei meist überschätzen und destruktive Konsequenzen hervorrufen, ist eine historische, ökonomische, sozialpsychologische, menschliche Tatsache. Östliche Weisheit versucht solch gut gemeinter Anmaßung vorzubeugen, indem sie auf die tiefe Moral des Nicht-Bewertens und des Nicht-Tuns verweist.

Ich will nun diese beiden Grundannahmen über die menschliche Natur durch eine eher systemische verknüpfen...

Macht als Konstante Größe

Die Macht des einen ist per Definition die Ohnmacht des anderen. Die Summe aller Macht ist also konstant. Daraus folgt, dass in einer Gesellschaft von Weisen, in der niemand Macht beansprucht, ein Machtvakuum - genauer: ein frei verfügbarer Machtüberschuss entsteht. Eine solche Gesellschaft ist nicht vorstellbar, weil sich die Menschen zu mächtigeren Interessengruppen zusammenschließen würden, sei es um auf andere überzugreifen oder um sich vor Übergriffen zu schützen. In anderen Worten: Die Dynamik der Macht ist eine Verallgemeinerung des Marktprinzips. Wenn niemand Macht beansprucht, sinkt ihr Preis. Wenn der Preis der Macht sinkt, findet sich wieder jemand der sie ergreift.

Zwangsläufig ergibt sich die Tendenz zur Monopolbildung, nicht nur durch Verdrängung sondern vor allem durch Verschmelzung von Machtzentren, und zwar auch ohne böser Absicht, ohne Absprache, allein durch die natürliche Synchronisierung offensichtlicher gemeinsamer Interessen.

Diese Monopolisierung ist gefährlich. Was tun wir also dagegen? Wir setzen eine Ordnungsmacht ein die bestimmte Machtverhältnisse durchsetzen soll. Typischerweise nennen wir sie "Staat". Diese Ordnungsmacht ist nun selbst ein Monopol. Wie verhindern wir also, dass sie selbst gefährlich wird? Wir spalten sie in kleinere Pole die sich gegenseitig in Schach halten. Das nennen wir "Gewaltenteilung". Wie verhindern wir nun, dass verschiedene Pole ihre Interessen wieder synchronisieren? Gar nicht, denn erstens muss der Kontrollmechanismus irgendwo enden und zweitens nimmt Gewaltenteilung der Ordnungsmacht ihre Macht. Letztlich ist die Idee einer Ordnungsmacht zur Verhinderung von Machtzentrierung ein Widerspruch in sich: Wenn man eine bestimmte Macht verhindern kann, beweist das, dass man selbst noch größere Macht besitzt.

Machtkonzentration und zunehmender Machtmisbrauch ist ein immerwährender Prozess der schon aus reiner Logik nicht zu unterbinden ist. Kein Verfassungsgericht, keine Kartellbehörde, keine Marktaufsicht oder sonstige Kontrollmacht kann sich dem entziehen. Egal wie durchdacht ein Staat aufgebaut sein mag, früher oder später erodiert sein System und degeneriert in Richtung Totalitarismus.

Demokratie ändert an der vorgestellten Logik nichts. Sie bedeutet, dass eine übergeordnete Ordnunsgmacht in einem gewissen Rahmen das Mehrheitsprinzip anwendet und damit innerhalb des Rahmens den Ur-Zustand wiederherstellt, in welchem die Mehrheit über die Minderheit herfallen kann. Entscheidend ist dagegen das Bestreben, Minderheiten - also jeden Einzelnen - durch Menschen- und Bürgerrechte vor der Macht zu schützen, ihnen also eine bestimmte Mindestmacht zu garantieren, welche dadurch die Ordnungsmacht limitiert.

Ich versammel hier also drei Annahmen die zusammen das ganze grundlegende Dilemma der Politik offenbaren:

  1. Menschen streben mehr oder weniger bewußt nach verschiedenen Machtformen.
  2. Machtkonzentration ist ein unvermeidlicher natürlicher Prozess.
  3. Machtkonzentration ist zersetzend für Menschlichkeit und Allgemeinwohl.

Aufklärung, Humanismus… Cui Bono?

Alte Monopole zu zerschlagen und ihre Gefahr durch intelligente Staatssysteme zu bannen war das zentrale Anliegen der Aufklärung. Der Zeitgeist hat sich dadurch grundlegend modernisiert und kennt heute zahlreiche staatstheoretische Prinzipien zur Eindämmung der Monopoltendenz, z.Bsp Menschenrechte, Bürgerrechte, Rechtsstaatlichkeit, Öffentlichkeit (Republik), Demokratie, Subsidiarität, Säkularität, Gewaltenteilung, Wettbewerb und Föderalismus.

Die Geschichte bestätigt allerdings, dass die Logik der Monopolbildung und Korruption nicht zu brechen ist. Die Epoche der Aufklärung selbst kennt da wenige Ausnahmen. Das zweitberühmteste Geistesprodukt der Aufklärung, die französische Revolution, artete in eine Terrorherrschaft aus, die weit über 40000 Menschen das Leben kostete. Der Terror sollte die freie Gesellschaft erzwingen und wurde vom hochgebildeten Robespierre angeführt, der den Widerspruch der Aufklärung personifiziert und unfreiwillig auf den Punkt brachte:

Terror ist nichts anderes als sofortige, unnachsichtige und unbeugsame Gerechtigkeit; folglich ist er ein Ausfluß der Tugend.

Der Logikfehler der Aufklärung ist ihre Anmaßung, die zeitweise jedes Mittel heiligte. Dabei ist die Angst vor Unterdrückung keine reinere, tugendhaftere oder irgendwie bessere Motivation als die Angst vor Revolte. Die Kompensation von Angst dient immer dem Ego und ist ein Kampf den man nie gewinnen kann.

Die freiheitlich-demokratische Verfassung, die vom französischen Volk mit großer Mehrheit angenommen wurde, trat nie in Kraft. Stattdessen mündete die Revolution in ein Chaos aus politischer Unruhe und Inflation aus dem schließlich Napoleon als Diktator hervorging.

Langsam wird es Unbequem

Es wäre naiv zu glauben, dass die Prinzipien die wenigstens sechs Jahrtausende lang Geschichte geschrieben haben heute nicht mehr gelten. Korrupte- oder besser gesagt: destruktive Monopole herrschen nach wie vor, und es liegt in ihrer Natur, dass sie die ihnen eigene Macht zur Selbstdarstellung und Rechtfertigung gebrauchen, und dass sie versuchen, öffentliche Meinung und Zeitgeist für sich einzunehmen.

Notwendigerweise präsentiert sich jedes herrschende System zu seiner Legitimation als einen unwahrscheinlichen erlösenden Fortschritt der die Erfahrung der Menschheitsgeschichte und die Gesetze der Logik zu überwinden weiß. Je gebildeter und aufgeklärter die allgemeine Bevölkerung ist, desto wissenschaftlicher, subtiler und ganzheitlicher muss solche Propaganda vorgehen. Es mag unbequem sein, diese eigentlich trivialen Folgerungen nachzuvollziehen, denn sie stellen öffentliche Meinung und besonders den Anschein politischer Systeme generell in Frage.

Kant bemerkte in seiner berühmten "Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?":

Es ist so bequem, unmündig zu sein.

Er sah, dass die Ziele der Aufklärung sich nicht durch aufklärerische Gesellschaftssysteme - sondern höchstens durch eine aufgeklärte Gesellschaft realisieren. Der Mensch muss sich seine "Mündigkeit" und politische Souverenität durch eigenständiges Denken und das Ertragen unbequemer Wahrheiten verdienen. Die Allgemeinheit befindet sich deshalb immer in einem geistigen Wettstreit mit den Machteliten, in dem sie zwar nie ganz triumphieren - aber aus Bequemlichkeit alles verlieren kann. Indem Neo im ersten Matrix-Film die rote Kapsel schluckt, entscheidet er sich gegen die Bequemlichkeit.

Sprache ist ein Heiliges Land

Bekanntlich ist gesellschaftlicher Machtkampf auch ein Kampf um die Deutungshoheit der Sprache. Besonders Orwell hat sich um diese Erkenntnis verdient gemacht. Es liegt im Interesse von Machtzentren, die Ausdrucksmacht der Sprache zu schrumpfen und die sinnentfremdete Verwendung bestimmter Worte anzustacheln. Ich möchte zwei Begriffe herausheben die ursprünglich mit Monopolkritik zu tun haben, deren sprachliche Verwendung sich aber ins Gegenteil verkehrt hat.

Der erste Begriff, Neoliberalismus, meint eigentlich einen neuen Liberalismus der sich gegen das Laissez-faire des reinen Liberalismus wendet. Er betont unter anderem die Verantwortung des Staates Monopolbildung einzudämmen und kann mit "soziale Marktwirtschaft" übersetzt werden. Das Meyers-Lexikon in der 5. Auflage von 1995 gesteht immerhin ein:

In der weiteren Ausgestaltung dieser Theorie als Ordoliberalismus [...] lag der Neoliberalismus als Modell der Zielsetzung zugrunde, eine soziale Marktwirtschaft in der BR aufzubauen.

Obwohl Neoliberalismus die Idee des deutschen Grundgesetzes ausdrückt, wird der Begriff als Schimpfwort misbraucht das für ungezähmte, monopolförderliche und verfassungsfeindliche Märkte stehen soll.

Der andere Begriff ist Verschwörung bzw. auch Verschwörungstheorie. Im politischen Diskurs fällt auf, dass beide Terme negativ konnotiert sind, in dem Sinne, dass der Sachverhalt einer Verschwörung ausschließlich der Welt fiktionaler Erzählung vorbehalten sei, und die Theorie einer Verschwörung von vornherein nicht plausibel sein könne. Der dabei angelegte Maßstab ist willkürlich und sprunghaft. Bei aufmerksamer Beobachtung staunt man, wie schnell monopolkritische Journalisten und Wissenschaftler, wenn sie sich bestimmten Fragen nähern, als verschwörungstheoretische Spinner denunziert werden. Dass ein einzelner Begriff, der eigentlich eine Art Machtzentrierung bezeichnet, zu einem so mächtigen Totschlagargument gegen sich selbst werden konnte, sollte Neugier wecken...

Die Normalste Sache der Welt

Was ist also objektiv eine Verschwörung? Im 24-bändigen Meyers-Lexikon ist weder Verschwörung noch Verschwörungstheorie verzeichnet. Dafür finden wir unter Komplott die Angabe:

so viel wie Verschwörung

Und unter Konspiration ist vermerkt:

[zu lat. conspiratio, eigtl. "das Zusammenhauchen, der Einklang"], [pol.] Verschwörung

Im Englischen heißt Verschwörung conspiracy, und tatsächlich bedeutet conspiratio dem lateinischen Ursprung nach so viel wie Einigkeit, Einmütigkeit, Harmonie und Einklang.

Im Kern ist eine Verschwörung erst mal ein gemeinsames Interesse verschiedener Akteure. Was nun oft unterschätzt wird ist, dass die Bündelung von Interessen keiner Absprache bedarf. Im Einklang befindliche Interessen schwingen sich automatisch aufeinander ein. Das jedem Menschen eigene Machtstreben und viele seiner konkreten Vorhaben benötigen kaum explizite Verständigung. Solche Gemeinsamkeiten empathisch wahrzunehmen und kooperativ auszunutzen, ist gerade die Fähigkeit die den Menschen auszeichnet.

Ob nun mit guten oder bösen Absichten, ob mit oder ohne Abspache: Gemeinsame Interessen synchronisieren sich und führen durch effektive Verschmelzung zu Machtzentrierung, welche notwendigerweise die (relative) Macht aller Unbeteiligten reduziert. Damit ist jede Interessenbündelung prinzipiell eine Verschwörung gegen die Allgemeinheit.

Wir müssen auch mit Blick auf die Menschheitsgeschichte, die menschliche Natur und die Eigendynamik der Macht davon ausgehen, dass Verschwörung nach wie vor die Regel ist. Im Gegensatz zum aktuellen sprachlichen Misbrauch des Begriffes ist eine Verschwörungstheorie ganz im Sinne von Ockhams Rasiermesser oft die einfachste, natürlichste, naheliegendste Theorie.

Die Macht des Unbekannten

Der Kampfbegriff Verschwörung setzt dem öffentlichen politischen Denken klare Grenzen. Dabei wird er aber auch zu einem Prisma das den Zeitgeist bricht und elementare Zusammenhänge wieder sichtbar macht. Die absolute Verbiegung des Begriffes geht auf seine engere Auffassung zurück. Da sich staatliche Ordnungsmacht selbst immer mit Allgemeinwohl gleichsetzt, ist jede konkurrierende Macht aus ihrer Sicht vor allem schädlich für die staatliche Ordnung. Entsprechend definiert der Duden Verschwörung als

gemeinsame Planung eines Unternehmens gegen jemanden oder etwas (besonders gegen die staatliche Ordnung)
Der enthaltene Begriff des Schwurs deutet ebenfalls an, dass die Interessenbündelung im Sinne des herrschenden Systems nicht legitim ist und deshalb nicht offiziell durch rechtskräftige Verträge vollzogen werden kann sondern implizit oder privat bleiben muss.

Natürlich ist die Idee der Freiheit in einer Diktatur nicht legitim. Die Gegenüberstellung von Staat und Verschwörung sagt also nichts über die ethische Legitimation oder die Wertesysteme beider Kontrahenten. Sie erklärt aber die negative Konnotation des Begriffes Verschwörung: Die herrschende Ordnungsmacht gebraucht und prägt ihn in seinem engeren Sinne als Kampfbegriff. Sie stellt die Verschwörung negativ dar, instrumentalisiert sie als Schreckgespenst und treibt sie weiter ins Private. Damit bewirkt sie eine ungeheure Mystifizierung bis hin zur Diabolisierung der Verschwörer.

Die Erkenntnis daraus ist so einleuchtend und bizarr, dass man sie erst übersieht: Der Verschwörungsvorwurf richtete sich ursprünglich nicht gegen die Ordnungsmacht sondern wurde von ihr selbst erhoben. Die Propaganda ihres Monopols etablierte erst jene irrationale Mystifizierung die man heute so gern Monopolkritikern vorwirft, wenn man versucht sie als Verschwörungstheoretiker zu disqualifizieren.

Dies zeigt sich z.Bsp. in der Verklärung und Stigmatisierung der Illuminaten. Dieser 1776 gegründete Bund war als typisches Kind seiner Zeit ganz der Aufklärung und dem Humanismus verschrieben und hatte deshalb begonnen, das Kurfürstentum Bayern zu unterwandern. Kurfürst Karl Theodor verbot und bekämpfte den Bund, da sich aufklärerische Ideen nicht mit Monarchie und katholischem Kaiserreich vertrugen. Eine antirevolutionäre Bewegung in Frankreich, beginnend mit dem Jesuiten Augustin Barruel, bemühte sich außerdem erfolgreich, die Illuminaten als Hauptverursacher der französischen Revolution ins öffentliche Bewußtsein zu prägen.

… Fortsetzung folgt.

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